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 Evas Töchter

Frauen zwischen Gestern und Heute.

Heute habe ich mich sehr über einen Geschäftsinhaber geärgert der sich nicht geschämt hat eine junge Mitarbeiterin in Gegenwart der Kunden für eine kleine Unachtsamkeit aufs übelste abzukanzeln. Der Gipfel seiner Äußerung: “Eva ist daran schuld, dass wir nicht mehr im Paradies leben.“ Außer mir waren noch drei weitere Kundinnen in diesem Geschäft, keine von uns legte noch Wert darauf hier einzukaufen. Peinlich berührt verließen wir das Geschäft. Ich tat mich schwer meinen Mund zu halten, doch das hätte vermutlich das arme Mädchen ausbaden müssen.

Dieses Erlebnis hat mich zu einigen “blasphemischen Gedanken“ verleitet.

Hätte Eva den Apfel der Erkenntnis nicht mit Adam geteilt, wären wir nichts weiter als instinkt- und triebgesteuerte Wesen. Will sagen, wir wären unwissend und nackt, würden uns öffentlich paaren und uns wie die Tiere ums Essen prügeln. Aber ist man uns dafür etwa dankbar? Mitnichten!

Die Gründerin der deutschen Frauenbewegung war Louise Otto-Peters. Erstaunlicherweise war sie 1849 Verlegerin einer politischen Frauenzeitung. Und das, obwohl der Kampf um Gleichberechtigung durch die politische Entrechtung der Frau so gut wie aussichtslos war. Frauen waren von der öffentlichen Bildung ausgeschlossen und sie hatten nicht das Recht an Wahlen oder politischen Veranstaltungen teilzunehmen. Das bedeutete, sie hatten keinen Zugang zu politischem, rechtlichem oder wirtschaftlichem Wissen. Das deutsche Rechtssystem verurteilte die Frauen zur finanziellen Abhängigkeit. Selbst wenn eine Frau Vermögen besaß oder einen eigenen Verdienst hatte, bestimmte der Ehemann über diese Gelder. Damals ging es den Frauen darum, dieser Entmündigung zu entfliehen.Sie wollten mehr Eigenständigkeit und Akzeptanz ihrer Person. Ein langer Weg, waren sie doch zu Sanftmut, Bescheidenheit, Hingabe und Aufopferung erzogen worden. Im 19. Jahrhundert begann das Erwachen der Frauen, die in einer männerdominierten Welt lebten. Diese Welt erkannten die Frauen als fehlerhaft, weil sie nur männliche Bedürfnisse berücksichtigte. Die Frauen wollten endlich mehr vom Leben als nur eheliche und häusliche Pflichten erfüllen.  

Wie steht es denn heute mit der weiblichen Gleichberechtigung? Ja, wir dürfen inzwischen eine ganze Menge, sogar wählen und eigenes Geld verdienen. Seit Ende der 1970er Jahre wurde sogar die Bezeichnung “Fräulein“ ersatzlos gestrichen. Wir werden gebraucht, vor allem für niedere, schlecht bezahlte Frondienste. Wenn wir aber den gleichen Job wie ein Mann ausüben, ist das Entgelt noch lange nicht dasselbe. Es gibt jede Menge weibliche Singles, aber trotz Charme und gutem Aussehen sind weder Vermieter, noch Energieversorger oder Einzelhändler bereit ihre Forderungen dem Gehalt der Frauen anzupassen.

Zu Zeiten unser Großeltern gab es für die Frau die berühmten 3 K: Kinder – Küche – Kirche.

Eine arbeitende Mutter galt als Rabenmutter. Das damalige starre Familiensystem wird noch heute vielfach gelebt. Väter waren selten gut auf ihre neue Rolle vorbereitet, das ist auch heute noch vielfach so. In der eigenen Kindheit waren die Väter oft abwesend. Zuerst durch den Krieg, danach durch lange Arbeitszeiten im Wirtschaftswunderland. Wenn der Mann dann mal zuhause war wurde er umsorgt und bedient. Dadurch wurden sowohl Jungen als auch Mädchen schon frühzeitig von ihren Müttern mit diesen idealisierten Rollen konfrontiert. Die Frauen gingen in ihrer Rolle als Ehefrau und fürsorgliche Mutter völlig auf. Diese Rolle haben Sie ihren Söhnen vorgelebt und so die jungen Männer quasi in die Bequemlichkeit hinein erzogen.

Viele alte Zöpfe wurden abgeschnitten und trotzdem hat dieses seltsame Erziehungskonzept nach wie vor nicht ganz ausgedient. Für seine Erziehung kann niemand etwas, doch als erwachsene Menschen sollten wir in der Lage sein dies zu hinterfragen. Es ist nicht mehr zeitgemäß einen Sohn zur Bequemlichkeit zu erziehen. Eine Mutter lebt nicht ewig und die wenigsten Frauen wollen ein verzogenes Muttersöhnchen. Selbst Sätze wie diese sind nicht totzukriegen:

“Mädchen sind neugierig – Jungen sind wissbegierig.“
“Frauen sind Klatschbasen – Männer sind kommunikativ.“

Die moderne Welt ist schnelllebig, Ehen haben oftmals ein Verfallsdatum und alleinerziehende Mütter   kaum Chancen am Arbeitsmarkt. Die Erziehung ändert sich, aber nicht immer zum Vorteil. Gute Manieren, Höflichkeit und soziales Verhalten werden immer öfter von einer rücksichtslosen Ellbogengesellschaft verdrängt.

Hat eine Frau heutzutage mehrere Kinder, heißt es hinter vorgehaltener Hand: “Die hat bloß keine Lust zum Arbeiten.“ Die moderne Frau ist Multitasking, ansonsten stimmt etwas nicht mit ihr. Das bedeutet 150% Einsatz (bei Männern reichen 60%). Die Erwartungen sind hoch. Sie steht ihre Frau im Job, kümmert sich um Kind und Ehemann und erledigt den Haushalt mit links. Darüber hinaus ist sie Krankenschwester, Lehrerin, Geliebte usw.

Immer noch leiden wir unter dem Stigma, Eva hat durch die Verführung Adams Unwissenheit zerstört. Sie ist schuld an seinem Sündenfall. Was wiederum die Trennung von Gott herbeigeführte und das Sterben unter die Menschheit brachte. So gibt es seit Menschengedenken einen Sündenbock, mit Namen Eva, für das Elend der Welt. Vergessen wir nicht, die ursprüngliche christliche Lehre war frauenfreundlich! Frauen durften predigen und das Abendmahl zum Gedenken an Jesus zelebrieren. Mehr noch - man spricht sogar von einer Päpstin deren Existenz allerdings nicht nachgewiesen werden kann.

Nach den Lehren der männlich dominierten Kirche findet der Mensch Erlösung durch die Taufe, weil Getaufte der Erbsünde nicht mehr unterliegen.

Aus männlicher Sicht war es daher nur recht und billig Frauen zu verachten und klein zu halten. Bereits im alten Rom strebten die Frauen unter Kaiser Augustinus nach Emanzipation. Die damit verbunden Geburtenrückgänge hatten zum Ärger des Kaisers negative Auswirkungen auf den Soldatennachschub. Also musste ein Gesetz her. Die “Lex Julia“  sollte dem kriegsschädlichen Treiben entgegen wirken. Per Gesetz gab es jetzt den Ehezwang. Er galt für alle Römerinnen zwischen 20 und 50 Jahren. Ehebruch wurde hart bestraft. Allerdings trafen diese Strafen (Enteignung und Verbannung), wie sollte es anders sein, nur die “holde Weiblichkeit.

Die Misogynie (Frauenfeindlichkeit) verdanken wir der Antike, genauer gesagt der aristotelischen Denkweise, die auch Thomas von Aquin vertrat. Eine wissenschaftliche  Beweisführung, genannt Scholastik. Die Thesen der Scholastik wurden von Gelehrten im Mittelalter entwickelt. Ein jüdischer Philosoph namens Philon von Alexandrien verknüpfte im 1. Jahrhundert n. Chr. die Misogynie mit der Schöpfungsgeschichte. Demzufolge trägt Eva die alleinige Schuld am Sündenfall. D. h. Weiblichkeit und Sexualität waren sündig, und bedeuteten den Tod der männlichen Seele. Die Konsequenz daraus hatte sie zu verantworten. Als Strafe dafür sollten alle weiblichen Nachkommen Evas die Herrschaft des Mannes über die Frau erdulden. Um das zu erreichen musste der Wille der Frauen gebrochen werden, selbständig denkende Frauen wurden zum personifizierten Bösen degradiert.

Im Jahre 585 wurde auf einem Konzil der Bischöfe sogar die Frage erörtert, ob denn Weiber überhaupt Menschen wären. Ergebnis war, das Mann und Frau nicht gleichwertig wären, weil Frauen keine Seele und keinen Geist hätten. So ging die Unterdrückung der Frau fröhlich weiter. 1330 listete Alvaro Pelayo 200 Laster von Frauen auf. Als im Jahre 1474 der Hexenhammer gedruckt wurde, war diese Liste die Grundlage für das schändliche Buch. All das ist entstanden weil Männern die Gebärfähigkeit der Frau unheimlich war, etwas das sie nicht beherrschen konnten.

Neuerdings ist zu hören, der Mann müsse sich emanzipieren, weil er sich durch die Frau zum Softie degradiert fühlt. Um sich als echter Kerl zu fühlen, geht Mann ins Outdoorcamp. Im Wald wollen sie sich austoben, trinken, sich mit Farbe beschießen und zotige Witze reißen.

Das Thema, angefangen bei Adam und Eva, ist schier unerschöpflich und stimmt nachdenklich.


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