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Die geheimnisvolle Blume

Die Schönheit der Rose weckt Begehrlichkeiten. Einfach zu erobern ist sie nicht. Genau wie die menschliche Seele schützt sie ihre Verletzlichkeit mit Dornen. Die Seele möchte, wie im Märchen von Dornröschen, entdeckt und befreit werden. Doch der Schmerz, den die Dornen symbolisieren, hält viele davon ab, den Schutzwall zu überwinden. Auch das Märchen Schneeweißen und Rosenrot hat eine versteckte Botschaft. Zwei Mädchen werden  in der Pubertät von ihrer Mutter auf die Hochzeit mit dem Prinzen vorbereitet. In der Übergangszeit vom Kind zur Frau steht die weiße Rose für Unschuld und Jungfräulichkeit, die Rote für Menstruation und Geschlechtsreife. Der Bär symbolisiert die männlichen Triebe, der Zwerg spiegelt die mädchenhaften Ängste vor der Sexualität wieder.

Keine andere Blume hat die menschliche Fantasie so sehr beflügelt wie die Rose. Ihr betörender Duft und ihr Aussehen machen sie unwiderstehlich. Sie wurde bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. in den Gärten des chinesischen Kaisers gezüchtet. Trotz ihres “hohen Alters“ hat die Rose bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Bei den alten Griechen war sie Eros und der Göttin Aphrodite geweiht. Sie ist eine Metapher für das Geheimnisvolle, das Weibliche, die Seele. Mit Gedichten, Malerei und Gesang wird die Königin der Blumen seit ewigen Zeiten von Künstlern aller Kulturen symbolisch als Geliebte mystifiziert. Auch der mittelalterliche Minnesänger besang seine Angebetete als Rose.

Als die Rose nach Europa kam, wurde sie hauptsächlich in mittelalterlichen Klostergärten kultiviert. Heilkundige Mönche nutzten Rosenwasser zur Wunddesinfektion bei Schnittwunden. Die moderne Phytomedizin setzt in der Aromatherapie auf Rosenöl, weil es die Selbstheilungskräfte aktiviert. Außerdem wird es bei depressiven Verstimmungen und Liebeskummer eingesetzt. Die Wirkung von Rosenwasser hat sich z. B. bei nervösen Herzbeschwerden, Kopfschmerzen und Zahnfleischentzündung bewährt. Dem kostbaren Duft des Rosenöls wird eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben. Deshalb wird es gerne bei der Herstellung von Parfum und Massageöl verwendet. In Kombination mit Moschus und anderen Ingredienzien sorgt es für romantische Stimmung.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus der Rose ein bedeutendes Symbol religiöser Darstellungen. Sie ist das Merkmal für Tugend und Reinheit. In Frankreich wurde die Muttergottes unter den Beinamen Rose, mystische Rose, Rosengarten und Rosengirlande verehrt. So ist auch der Rosenkranz Maria gewidmet, eine fassbare optische Gliederung von 150 “Ave Maria“. Die weiße Rose ist im christlichen Glauben eng mit dem Jenseits und dem Paradies verwoben, die Rote erinnert an die Märtyrer. Aber nicht nur Maria wird als Rose bezeichnet, sondern auch Jesus, er ist die Rose am Baum Jesse.

Bei den Freimauern ist die Rose das Zeichen für Vollkommenheit und Verschwiegenheit. Sie begleitet den Freimaurer von der Einweihung bis zu seiner Abberufung als Sinnbild der menschlichen Seele. Bei den Treffen der Freimaurer erinnern drei Rosen, rot, weiß und rosa, an Schönheit, Wachstum und Entfaltungskraft. Die rote Rose steht für eine edle sittliche Gesinnung, die Weiße für Vervollkommnung und Weisheit, rosa für die Schöpfung, Wachstum und Hoffnung. Sie sind Symbole für das Streben nach geistiger Erleuchtung.

Ein goldenes Kreuz und eine rote Rose in voller Blüte sind die Symbole der Rosenkreuzer. Diese Verbindung spiegelt das mystisch geistige Ziel der Rosenkreuzer. Das Rosenkreuzertum basiert auf Elementen der Kabbala, Alchemie und Hermetik. Das Kreuz ermahnt den Menschen sich innerlich zu prüfen, sich selbst zu hinterfragen. Nur geistige Reinigung kann den Menschen wandeln. Auch hier symbolisiert die Rose die Seele, die nur dann zu voller Blüte gelangt, wenn die Elemente (Feuer, Erde, Wasser und Luft) im Einklang sind. Das Rosenkreuz steht für seelische Läuterung bzw. den alchemistischen Reinigungsprozess auf geistiger Ebene.

Die Rose diente aber nicht nur mystischen Umschreibungen sie wurde auch durch kriegerische Auseinandersetzungen bekannt. Man denke nur an die englischen Rosenkriege zwischen den Adelshäusern York und Lancaster. Beide Häuser beanspruchten für sich die Krone Englands. Die Wappen der Familien zierte die Rose (York weiß, Lancaster, rot). Erst die Vereinigung der Geschlechter York und Lancaster zum Haus Tudor beendete die Zeit der Rosenkriege.

 Es gibt auch moderne Rosenkriege - das traurige Ende einer Liebe, die in einer Schlammschlacht endet. 

Die Widerstandsbewegung “Die weiße Rose“, ein Paradebeispiel für Mut und Zivilcourage gegen die Nazis. In den Jahren 1942 bis 1943 startete die Gruppe sechs Flugblattaktionen gegen das Hitlerregime. In ihrem zweiten Flugblatt prangerten sie die bestialische Ermordung von 300.00 Juden an. Hauptakteure der Gruppe waren neben Hans und Sophie Scholl, die Studenten Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und Professor Kurt Huber. Aus Empörung über Massendeportationen und Ermordung von Juden, ging die "Weiße Rose" ab Februar 1943 dazu über während der Nacht Gebäude in München mit Parolen, wie: “Freiheit“ – “Nieder mit Hitler“ – “Hitler Massenmörder“ zu beschrifteten. Am 18. Februar 1943 verteilten die Geschwister Scholl in der Münchener Universität das sechste und letzte Flugblatt. Dabei wurden sie beobachtet und umgehend verhaftet. Gemeinsam mit Christoph Probst wurden sie am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt. Das Todesurteil wurde noch am selben Tag vollstreckt. 

„Ich sah des Sommers letzte Rose stehn.
Sie war, als ob sie bluten könne, rot.
Da sprach ich schaudernd im Vorübergehn:
“So weit im Leben ist zu nah am Tod!“

1844 schrieb Heinrich Hebbels sein Gedicht "Sommerbild".
Zum Gedenken an die "Weiße Rose" bedienen wir uns seiner Worte.